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Geschichte

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Pilatus Flugzeugwerke AG
Stans
Geschichte
Pilatus Flugzeugwerke AG
Rechtsform Aktiengesellschaft ISIN CH0002189535
Gründung 1939 Sitz Stans, Schweiz
Leitung Markus Bucher, CEO
Oskar J. Schwenk, VR-Präsident
Mitarbeiterzahl 1905 (2015)
Umsatz 1,174 Mrd. CHF (2014)
Branche Flugzeugbau

Website www.pilatus-aircraft.com


Die Pilatus Aircraft Ltd. bzw. Pilatus Flugzeugwerke AG ist der wichtigste Flugzeughersteller der Schweiz. Am Unternehmenssitz in Stans werden Trainings- und kleinere Mehrzweckflugzeuge hergestellt. Darüber hinaus verfügt Pilatus über Tochtergesellschaften in den USA und in Australien sowie über eine weitere Tochtergesellschaft für den Flugzeugunterhalt, die Altenrhein Aviation AG am Flugplatz St. Gallen-Altenrhein. Die Unternehmensgruppe erwirtschaftete 2014 mit weltweit 1752 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,174 Milliarden Schweizer Franken.[2]
Benannt ist das Unternehmen nach dem etwa 10 km westlich von Stans liegenden Berg Pilatus. Angrenzend an das Firmengelände liegt der Flugplatz Buochs, den die Pilatus Flugzeugwerke für alle Test- und Ablieferungsflüge nutzt.

Geschichte

Die Gründung der Pilatus Flugzeugwerke AG fand am 16. Dezember 1939 statt. Gründer waren Emil Bührle und die Elektrobank.[3] Zuerst nur im Unterhalt tätig, begannen die Pilatus-Flugzeugwerke 1940 mit der Konstruktion des SB-2 Pelikan, eines für Einsätze in gebirgigen Regionen konzipierten Flugzeuges. Bedeutung erlangte das Unternehmen jedoch erst mit den beiden Modellen Pilatus P-2 und P-3,[4] die den Grundstein des Bereichs Trainingsflugzeuge bildeten. Mit dem legendären PC-6, auch Pilatus Porter genannt, wurde ab 1959 das zweite Standbein im Mehrzweckflugzeugmarkt aufgebaut.
Pilatus baute auch einige Prototypen, die nicht in Serie gingen und Einzelstücke blieben: die Kurzstart-Flugzeuge SB-2 Pelikan, P-4 und PC-8 Twinporter. Mit der Pilatus P-4 wurden wertvolle Daten für die spätere PC-6 gewonnen. Da Kunden eine bessere Motorenleistung wünschten, entwickelte Pilatus die zweimotorige PC-8 Twin Porter auf der Basis der PC-6. Die einzige PC-8 (Luftfahrtkennzeichen: HB-KOA) wurde auch am Aerosalon in Paris vorgestellt. In der Zwischenzeit hatte Pilatus aber mit der Umrüstung der PC-6 mit einem Turbopropaggregat eine effektivere und einfachere Leistungssteigerung erreicht (PC-6T), die einzige PC-8 wurde verschrottet.
Ab den späten siebziger Jahren löste die von einer Turboprop getriebene Pilatus PC-7 die P-3 ab. Über 450 Stück konnten davon in den nächsten Jahrzehnten abgesetzt werden. Mitte der 1980er Jahre ergänzte die leistungsstärkere Pilatus PC-9 das Angebot von Pilatus Aircraft im Markt für Trainingsflugzeuge. Das neueste Trainingsflugzeug aus Stans ist die PC-21; das Typenzertifikat wurde Ende 2004 vom Bundesamt für Zivilluftfahrt erteilt. Während eines Trainingsfluges Mitte Januar 2005 stürzte ein Prototyp der PC-21 ab. Das darauf verhängte Flugverbot für den Typ konnte jedoch schon bald wieder aufgehoben werden, da sich herausstellte, dass der Unfall durch einen Pilotenfehler ausgelöst worden war.
Da nach dem Ende des Kalten Krieges deutlich weniger Kampfpiloten auszubilden waren und folglich weniger Trainingsflugzeuge abgesetzt werden konnten, fokussierte sich Pilatus Aircraft in den neunziger Jahren wieder stärker auf den Mehrzweckflugzeugmarkt. Die PC-12 schuf ab 1994 eine neue Klasse von effizienten einmotorigen Mehrzweckflugzeugen mit Turboproptriebwerk. Sie wies bei weit niedrigeren Betriebskosten ähnliche oder bessere Flugleistungen als viele ihrer mehrmotorigen Konkurrenten auf. Bis Juli 2017 konnte Pilatus ca. 1500 PC-12 absetzen.[5] Die PC-12 kostet ab 2,9 Mio. USD und ist mit 3,5 Mio. USD schon voll ausgestattet.
Pilatus stellte als Subunternehmen der RUAG Aerospace Teile (Outerwings) für die Schweizer F/A-18 her.[6] Auch vorher war Pilatus bei allen Lizenzfertigungen von Düsenjets und Hubschraubern für die Schweizer Armee als Zulieferer beteiligt und wäre auch bei der FFA-P-16-Produktion (die jedoch storniert wurde) beteiligt gewesen. Pilatus stellt als Subunternehmen der RUAG Teile für Airbus und Boeing her und führt auch im Auftrag von RUAG Wartungsarbeiten an Luftfahrzeugen wie z. B. dem AS332 Super Puma durch.[6]
Im Jahre 2011 begann Pilatus mit den Planungen eines Business Jets unter dem Namen Pilatus PC-24. Es ist das erste Düsenflugzeug der Pilatus. Am 21. Mai 2013 enthüllte Pilatus das Konzept an der «European Business Aviation Convention & Exhibition» (EBACE) in Genf und präsentierte den Prototypen zum 75-Jahr-Jubiläum des Unternehmens am 1. August 2014 am Firmensitz in Stans. Der Prototyp des zweistrahligen Jets hob am 11. Mai 2015 nach nur knapp 600 Metern von der Startbahn erstmals zu seinem 55-minütigen Jungfernflug vor zahlreichen Zuschauern ab. Der zweite Prototyp (HB-VXB) hatte seinen Erstflug am 16. November 2015.[7][8] Der dritte Prototyp (HB-VSA) hatte sein Roll-out Ende Februar 2017.[9][10] Der Erstflug des dritten und letzten Prototypen «P03» HB-VSA [11] fand am 6. März 2017 statt. Der erste PC-24 wurde im März 2018 an das Flugzeug-Sharing-Unternehmen PlaneSense aus Colorado übergeben.[Die gesamten Entwicklungskosten für den Pilatus PC-24 betrugen über 500 Mio. Schweizer Franken.

Hauptaktionäre

Die zwei Hauptaktionäre bestehen aus der Ihag Holding AG (Nachkommen der Waffen-Dynastie Bührle) und der Beteiligungsgesellschaft Southfield des Schweizer Investors Jörg F. Burkart.[13]
Pilatus Britten-Norman
Im Jahr 1979 übernahm Pilatus Aircraft den britischen Flugzeughersteller Britten-Norman, einen Hersteller von robusten, auf einfache Verhältnisse zugeschnittenen Mehrzweckflugzeugen. Bis zum Verkauf des Unternehmens im Jahr 1998 wurden die Typen Islander und Trislander unter dem Firmennamen Pilatus Britten-Norman vertrieben.

 
Pilatus Segelflugzeug
In den 1970er Jahren begab sich die Firma Pilatus mit der Serienproduktion des Ganzmetall-Segelflugzeugs B4 auf ein neues Gebiet. Die B4 – «B»  steht für Basten (Rheintalwerke G. Basten), in der die Entwicklung erfolgte – wurde von den deutschen Ingenieuren Ingo Herbst, Manfred Küppers und Rudolf Reinke entwickelt und konnte ihren Erstflug Ende 1966 durchführen. Nach umfangreichen Marktforschungen entschlossen sich die Pilatus-Werke 1970, die B4 in ihr Produktionsprogramm aufzunehmen. Die ganze Konstruktion wurde überarbeitet und den verschärften Bauvorschriften angepasst, sodass die Zusatzbezeichnung PC-11 gerechtfertigt erschien. Die erste B4/PC-11 führte ihren Jungfernflug am 5. Mai 1972 durch. Die B4/PC-11 ist ein Segelflugzeug der Standardklasse und eignet sich für den Gruppenbetrieb wie für den Leistungspiloten, aber auch für Höhen- und Wolkenflüge und vor allem für uneingeschränktes Kunstflugtraining. Bis zum Verkauf der Produktionsrechte an die japanische Firma Nippi konnten weltweit 322 Ganzmetall-Segelflugzeuge B4/PC-11 ausgeliefert werden.
Mit zusätzlichen Stringern am Rumpf sind auch gerissene und gestossene Figuren zulässig, die Bezeichnung ist dann B4/PC-11AF.

Kritik

 
Trainingsflugzeug Pilatus PC-21
Die Turboprop-Trainingsflugzeuge wurden vor allem an Luftstreitkräfte verkauft. Die Firma kam seit den 1970er Jahren immer wieder in die Schlagzeilen, weil sie mit Waffenbehältern ausrüstbare Versionen in Entwicklungsländer verkaufte.
Der Export von militärischen Trainingsflugzeugen untersteht nicht dem schweizerischen Kriegsmaterialgesetz, sondern dem Güterkontrollgesetz. Deshalb können Lieferungen von solchen Flugzeugen von den Behörden nur unterbunden werden, wenn gegen ein Empfängerland ein von der UNO verhängtes Waffenembargo besteht. Dies wird seit den 1970er Jahren von Menschenrechts- und Friedensorganisationen kritisiert, da Pilatus-Trainingsflugzeuge in verschiedenen Entwicklungsländern und Krisengebieten nachträglich bewaffnet und zur Luftnahunterstützung eingesetzt wurden.
So gab der Bundesrat 1989 bekannt, dass Pilatus-Flugzeuge in Burma und Guatemala gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt wurden.[14] Wenig später wurde publik, dass die irakische Armee unter Saddam Hussein mit Pilatus-Flugzeugen Einsätze gegen kurdische Aufständische im Nordirak flog.[15] Im Januar 1994 wurden Pilatus-Flugzeuge gegen zapatistische Bauerndörfer in Chiapas (Mexiko) eingesetzt.[16] Vermutungen, wonach die tschadische Armee Pilatus-Flugzeuge gegen Flüchtlingslager in Darfur einsetzt, bestätigten sich im Januar 2008.[17] Der Export von mehreren PC-9 war bereits im Jahr 2006 von verschiedenen Organisation kritisiert worden.[18][19]
50 PC-9 waren Teil des umstrittenen «Al Yamamah»-Geschäfts zwischen Grossbritannien und Saudi-Arabien, was ebenfalls zu Kritik an Pilatus führte.[20] Zudem hat BAE Systems 2012 angekündigt, 55 PC-21 an Saudi-Arabien verkauft zu haben – welche ab 2014 ausgeliefert werden sollen.[21] 2017 wurde ein Vertrag über die Wartung dieser Maschinen geschlossen, welche seither von Pilatus-Mitarbeitern vor Ort gewartet werden. Das EDA geht davon aus, dass solche Verträge mit Luftwaffen von mehreren am Jemen-Krieg beteiligten Nahost-Staaten dem Bund nicht ordnungsgemäss nach Art. 935.41 gemeldet wurden.

Pilatus-Flugzeuge in Kunstflugteams

KunstflugteamLandTypAusklappenBemerkung P3 FlyersSchweiz SchweizP-3ziviles Team Patrouille SuisseSchweiz SchweizPC-6Nur Support /Transport PC-6T V-622 "Felix" PC-7 TeamSchweiz SchweizPC-7Silver FalconsSudafrika SüdafrikaPC-7Alap-Alap FormationBrunei BruneiPC-7Taming SariMalaysia MalaysiaPC-7Solo Display TeamNiederlande NiederlandePC-7sowie eine F-16 und eine AH-64 Blue PhoenixThailand ThailandPC-9Krila OlujeKroatien KroatienPC-9RoulettesAustralien AustralienPC-21Von 2018 bis 2019 Wechsel von der PC-9 auf PC-21 Schweizer Luftwaffe
PC-21 DemoSchweiz SchweizPC-21Schweizer Luftwaffe, wird nur vereinzelt vorgeführt
um Pilatus Aircraft nicht zu konkurrenzieren Pilatus Aircraft PC-21Schweiz SchweizPC-21zivil, Vorführung mit 1 oder 2 Flugzeugen Wings of QatarKatar KatarPC-21Die Wings of Qatar werden die Wings of Storm (PC-9) ersetzen.

Trivia
  • 1964 wurden das Gelände und die nähere Umgebung der Pilatus-Flugzeugwerke zum Drehort einiger Szenen des dritten James-Bond-Films Goldfinger. Die Pilatus-Flugzeugwerke stellen im Film Goldfingers (Gert Fröbe) Tarnfabrik Auric Enterprises dar, wo der Protagonist die Einzelteile seines als Rolls-Royce getarnten Goldes zu Goldbarren einschmelzen liess. Die Frontansicht und Frontgebäude der Pilatus-Flugzeugwerke haben sich seit 1964 verändert, aber die übrigen Gebäudeteile sind im Vergleich zu den Szenen im Film immer noch grösstenteils identisch vorhanden.
  • Im 2006 entstandenen Film Vitus von Fredi M. Murer spielt Pilatus Aircraft ebenfalls eine Rolle. Vitus’ Flugbegeisterung überträgt sich auf seinen Grossvater, der in der Folge das Unternehmen besucht und sich eine PC-6 kauft, auf welcher Vitus am Schluss der Geschichte den Ausbruch in «sein» Leben zelebriert.
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